Heu­te möch­te ich mich ger­ne mit dem The­ma “Ger­ia­trie bei der Kat­ze” aus­ein­an­der­set­zen. Nicht nur die Men­schen, son­dern auch die Kat­zen kom­men heu­te in den Genuss eines län­ge­ren Lebens. Lag die durch­schnitt­li­che Lebens­er­war­tung bei Kat­zen noch vor weni­gen Jah­ren bei 12–14 Jah­ren, so wer­den heu­te vie­le Tie­re durch­aus 16–18 Jah­re alt. Ob Ver­bes­se­run­gen in der Füt­te­rung oder in der Medi­zin dafür ver­ant­wort­lich sind, mag ich an die­ser Stel­le nicht dis­ku­tie­ren. Ich möch­te ger­ne auf eine Viel­zahl von Krank­hei­ten hin­wei­sen die gera­de beim alten Kat­zen­pa­ti­en­ten auf­tre­ten. Vie­le Beschwer­den schiebt man auf das “Alter” obwohl es in Wirk­lich­keit nur Krank­hei­ten sind, bei denen man durch The­ra­pie oder Medi­ka­men­te durch­aus beacht­li­che Lin­de­run­gen errei­chen kann. Um so wich­ti­ger ist es, die­se Pro­ble­me zu ken­nen damit der Lebens­abend unbe­schwert genos­sen wer­den kann.

Hier ein Rönt­gen­bild von einer 14 Jäh­ri­gen Kat­ze. Gleich meh­re­re Pro­ble­me fal­len ins Auge.

Oran­ge Krei­se: Wir­bel­säu­len­ver­än­de­run­gen im Sin­ne von Spon­dy­lo­sen. Ins­be­son­de­re eine L 7 Spon­dy­lo­se am Über­gang zum Kreuz­bein ist zu sehen. Das Tier ist also in jedem Fall ein chro­ni­scher Schmerz­pa­ti­ent. Man kann sich über­le­gen, ob Ihm Gabe von Schmerz­mit­teln hilft. Es gibt neben den che­misch defi­nier­ten NSAIDs wie Meta­cam Kat­ze auch pflanz­li­che Prä­pa­ra­te wie Felin­eVet Dol­o­fer plus. Nut­zen und Neben­wir­kun­gen sind immer indi­vi­du­ell abzu­wä­gen.

Grü­ner Kreis: Es gibt deutl­li­che Ver­schat­tun­gen im Bron­chi­al­baum. Ursa­che kön­nen ein felin­es Asth­ma (wie in die­sem Fal­le), Tumo­re, Lun­gen­wür­mer und chro­ni­sche Atem­wegs­in­fek­tio­nen sein. Herz­er­kran­kun­gen müs­sen abge­klärt wer­den.

Gel­be Krei­se und blau­er Kreis : Ver­stop­fung, Obs­ti­pa­ti­on, Hart­lei­big­keit. Ein sehr häu­fi­ges Pro­blem.

Die Ernäh­rung einer alten Kat­ze muss ange­passt sein. Es darf kein Man­gel an Faser­stof­fen, Omega3 FS und FOS bestehen. Es gibt etli­che Fut­ter, die die Darm­funk­ti­on wir­kung­voll unter­stüt­zen. Ich emp­feh­le in die­sen Fäl­len die Fib­re Diet von Roy­al Canin oder w/d Fut­ter von Hills.  Eine Gabe von Sah­ne, Milch oder Dosen­milch hat sich nicht bewährt, weil der Stuhl viel zu fett­reich wird und sich kaum mehr abset­zen lässt.

Colac­tiv

Es gibt aber einen neu­en Fut­ter­zu­satz von der Fir­ma Alma­ph­arm. Die­ser heisst Colak­tiv.

 

Blau­er Kreis: Es liegt nahe dass es sich zusätz­lich noch um einen Haar­bal­len han­delt. In jedem Fal­le soll­te die Kat­ze ein Laxa­tiv bekom­men und/oder Par­af­fin­öl um die­sen direkt und gezielt abzu­füh­ren.

Als nächs­tes wür­de ich bei die­ser Kat­ze eine Blut­un­ter­su­chung durch­füh­ren. Die Labor bie­ten soge­nann­tes “Ger­ia­trie-Pro­fil” an, wel­ches wich­ti­ge Din­ge abklä­ren kann. Hier mal ein Blut­bild von der kli­nisch unauf­fäl­li­gen 16 Jah­re alten Kat­ze die sie schon von dem Rönt­gen­bild ken­nen. Eine sol­che Unter­su­chung kos­tet ca 75 €.

Chro­ni­sche Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz (CNI):

Vie­le Kat­zen (ca 35% der Kat­zen !) bekom­men im Alter Pro­ble­me mit den Nie­ren. Sie fan­gen an, mehr zu trin­ken das Fell wird strup­pig. Sie erbre­chen sich häu­fig und füh­len sich nicht mehr wohl. Eine Blut­un­ter­su­chung zeigt lei­der erst Ergeb­nis­se auf, wenn min­des­tens 70% der Nie­ren­funk­ti­on geschä­digt sind, also extrem spät. Im Früh­sta­di­um kann die CNI der Kat­ze recht erfolg­reich mit Diät, Sem­in­tra, Infu­sio­nen und evtl homöo­pa­thi­schen Medi­ka­men­ten wie SUC behan­delt wer­den. Spä­ter sieht es nicht mehr sehr erfolg­ver­spre­chend aus.

 Früh­sta­di­um von CNI gibt es aber schon Befun­de im Urin. Die Kat­zen soll­ten ihren Urin min­des­tens auf sG von 1035 kon­zen­trie­ren kön­nen. Bleibt der Wert des spe­zi­fi­schen Gewich­tes zwi­schen 1005, 1010 oder unter 1035, liegt eine ernst­haf­te Stö­rung vor. Der Urin der Kat­zen kann leicht auf­ge­fan­gen wer­den, wenn man das Streu durch klei­ne Poly­sty­rol­kü­gel­chen ersetzt. Der Urin kann so pro­blem­los zu Hau­se auf­ge­fan­gen und in der Pra­xis mit einem Refrakt­ro­me­ter unter­sucht wer­den.

Einer neu­er Ansatz der Blut­un­ter­su­chung ist die neue SDMA Unter­su­chung, mehr dazu in dem Video von Idexx. Der SDMA Test wird ab Dezem­ber 2015 ein rou­ti­ne­mäs­si­ger Bestand­teil des Ger­ia­trie­pro­fils wer­den.

Die CNI der Kat­ze ist immer mit einem Blut­hoch­druck ver­ge­sell­schaf­tet. Der muss immer mit behan­delt wer­den.

Blut­hoch­druck bei der Kat­ze (Hyper­ten­si­ves Syn­drom):

Bei die­ser Kat­ze sieht man dass bei­de Pupil­len unge­wöhn­lich weit gestellt sind. Man spricht von Mydria­sis – ein siche­res Zei­chen für Netz­haut­ab­lö­sun­gen auf­grund eines dau­er­haft zu hohen Blut­drucks. Sie erblin­det zuse­hends, wenn sie kei­ne Unter­su­chung und Medi­ka­men­te bekommt… ein Alarm­zei­chen !!

Quel­le: http://www.augentierarzt.at/arzt/archiv1.htm

 

 

Blut­druck­mes­sung bei der Kat­ze. Mes­sung per HDO Oszil­lo­me­trie. Die Man­schet­te kann an der Schwanz­ba­sis der Kat­ze fest­ge­macht wer­den.

Das Tier wird

am bes­ten bei der Unter­su­chung auf den Schoß gesetzt. Die Mes­sung ist nach weni­gen Minu­ten vor­bei. Die HDO Mes­sung misst nicht eine Wert für nur den systo­li­schen und dia­sto­li­schen Blut­druck, son­dern auch alle ein­zel­nen Puls­wel­len (bis zu 100 Mess­punk­te) so dass man eine gan­ze Kur­ve aus­wer­ten kann. So kann man die Puls­in­ten­si­tät und den Rhyth­mus der Pul­se auch bewer­ten. Die HDO Mes­sung geht somit weit über den bis­he­ri­gen Stan­dard hin­aus.
HD2 HDO

 

Eine Kat­ze soll­te nicht dau­er­haft über 165 mm Hg Druck haben, sonst kommt es zu Schä­di­gun­gen. Blut­hoch­druck bei der Kat­ze ent­steht bei Herz­er­kran­kun­gen, als Nie­ren­hoch­druck und im Zusam­men­hang mit der Schild­drü­sen­über­funk­ti­on. In allen drei Fäl­len ent­steht ein Teu­fels­kreis, der sich stän­dig ver­schlim­mert. Man kann dem Blut­druck ent­ge­gen­wir­ken durch Behand­lung der Grund­krank­heit und durch Medi­ka­men­te. Die leich­ten Fäl­le spre­chen auf ACE Hem­mer wie Benace­ca­re 5 mg an, bei schwe­re­ren For­men gibt es nun Amlo­di­pin für Tie­re als Amo­dip 1.25 als Kau­ta­blet­te auf dem Markt.

HCM

Ein neue­rer Bio­mar­ker für Kat­zen eta­bliert sich mitt­ler­wei­le auf dem Markt. es han­delt sich um das Car­dio­pet proBnP, oder Tro­po­nin. Mitt­ler­wei­le kann man es ein­fach aus dem Serum mit­be­stim­men las­sen ohne dass man es, wie bis­her not­wen­dig, in Spe­zi­al­röhr­chen umfül­len muss. Das Erken­nen von Herz­krank­hei­ten ist bei der Kat­ze ist manch­mal eine sehr kom­pli­zier­te Ange­le­gen­heit. Ers­te Hin­wei­se kann ein Herz­ge­räusch (SAM) sein, wel­ches aber auch völ­lig harm­los sein kann. Hier könn­te Car­dio­pet proBnP hel­fen. Die­se ist aller­dings eine kos­ten­pflich­ti­ge Zusatz­un­ter­su­chung , (ca 25 €Mehr­kos­ten) zum nor­ma­len Pro­fil und muss auch noch wei­ter durch Herz­ul­tra­schall (wie­der ca 90€) abge­klärt wer­den.

Im Ultra­schall­bild rechts sieht man stark ver­dick­te Her­z­wän­de. Man kann ein Herz­ge­räusch im Dopp­ler erken­nen. Es besteht die aku­te Gefahr einer Throm­b­em­bo­lie. Lei­der ist es kaum mög­lich die HCM im Vor­feld durch Rönt­gen fest­zu­stel­len. HCM fin­det man haupt­säch­lich bei Maine Coon und Rag­doll­kat­zen. Die Krank­heit wird durch auto­so­mal rezes­si­ve Gene ver­erbt.

In wie weit die­se Unter­su­chun­gen in ein Vor­sor­ge­pro­fil pas­sen, ist im Ein­zel­fall abzu­klä­ren, je mehr Auf­wand betrie­ben wird, des­to teu­rer wird die Ange­le­gen­heit. Ich den­ke, es genügt wenn man die­se Unter­su­chun­gen erst dann durch­führt wenn auch Sym­pto­me wie Atem­not, Hecheln, Abma­ge­rung auf­tre­ten, oder wenn die Ras­sen­zu­ge­hö­rig­keit der Kat­ze es nahe legt.

 

 

Ein jah­re­lang unter­schätz­tes Phä­no­men ist die Hyper­thy­reo­se der Kat­ze. Erst seit der Rou­ti­ne­un­ter­su­chung fin­det man bei sehr vie­len Kat­zen die Krank­heit. Gut, denn sie ist recht ein­fach zu behan­deln. Im Blut sind die T4 Wer­te deut­lich erhöht. Die Tie­re sind abge­ma­gert, aggres­siv und übel­lau­nig haben meist chro­ni­schen Durch­fall und trin­ken deut­lich mehr. Über den viel zu hohen Blut­druck schliesst sich wie­der­um der Teu­fels­kreis Herz-Nie­re-Auge etc. Gibt man den Tie­ren ein­mal täg­lich Fel­ima­zo­le Tablet­ten, ändert sich das wie­der dra­ma­tisch, alles läuft wie­der nor­mal, sehr zur Zufrie­den­heit von Tier, Besit­zer und Tier­arzt. Die Krank­heit wird durch die Kli­nik und die ver­än­der­ten Wer­te im Pro­fil dia­gnos­ti­ziert. Manch­mal lässt sich durch Abtas­ten die ver­grö­ßer­te Schils­s­rü­se nach­wei­sen.

Wei­ter

Die Ernäh­rung einer alten Kat­ze muss ange­passt sein. Es darf kein Man­gel an Faser­stof­fen, Omega3 FS und FOS bestehen. Es gibt etli­che Fut­ter, die die Darm­funk­ti­on wir­kung­voll unter­stüt­zen. Ich emp­feh­le in die­sen Fäl­len die Fib­re Diet von Roy­al Canin oder w/d Fut­ter von Hills. In der letz­ten Zeit behan­de­le ich die­se Tie­re ger­ne mit Recon­va­les Toni­cum dem ich Macro­gol zuge­fügt habe.

Bei Macro­gol han­delt es sich um Poly­ethy­len­gly­col (PEG Pul­ver), das bei der Kat­ze mild abführt. Alter­na­tiv kann man auch Floh­sa­men z.B Ente­ro Pro Kap­seln von Albrecht geben. Eine Gabe von Sah­ne, Milch oder Dosen­milch hat sich nicht bewährt, weil der Stuhl viel zu fett­reich wird und sich kaum mehr abset­zen lässt.

Blau­er Kreis: Es liegt nahe dass es sich zusätz­lich noch um einen Haar­bal­len han­delt. In jedem Fal­le soll­te die Kat­ze ein Laxa­tiv bekom­men und/oder Par­af­fin­öl um die­sen direkt und gezielt abzu­füh­ren.

Als nächs­tes wür­de ich bei die­ser Kat­ze eine Blut­un­ter­su­chung durch­füh­ren. Die Labor bie­ten soge­nann­tes „Ger­ia­trie-Pro­fil“ an, wel­ches wich­ti­ge Din­ge abklä­ren kann. Hier mal ein Blut­bild von der kli­nisch unauf­fäl­li­gen 16 Jah­re alten Kat­ze die sie schon von dem Rönt­gen­bild ken­nen. Eine sol­che Unter­su­chung kos­tet ca 75 €.

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