Es ist der Klassiker im Notdienst. Nachts um halb zwei der Anruf: mein Hund hat Schokolade gefressen,.….jetzt habe ich Google gefragt, ich muss sofort zu Ihnen in die Praxis.….….
Die Toxizität von Schokolade variiert erheblich, wobei Kakaobohnen und Block-(Back) schokolade die höchste Gefahr darstellen, gefolgt von halbsüßer und schließlich von Milchschokolade, die am wenigsten schädlich ist.
Bereits der Verzehr von 49 Gramm Backschokolade, kann für einen Hund mit einem Gewicht von 7 Kilogramm fatal sein. Im Vergleich dazu wären etwa 420 Gramm Milchschokolade, das entspricht ungefähr acht Tafeln , notwendig, um einen Hund dieser Größe zu gefährden. Glücklicherweise kommt das aber kaum vor.
Es können Vergiftungserscheinungen noch bis ca 8 Stunden nach Aufnahme der Schokolade auftreten.
Bevor Sie aber nachts den Notdienst verrückt machen, sollten Sie sich vorab selbst ein paar Fragen beantworten:
Eine Tafel Schokolade hat ca 90 Gramm. Sie besteht aus 24 Stückchen also ca 4 g.
Eine Rippe Blockschokolade oder Kuvertüre sind ca 50 g
Gott sei Dank sind echte Vergiftungen mit Schokolade sehr selten, aber wenn Ihr kleiner Liebling sehr klein ist und die Schokolade auch noch einen hohen Kakaoanteil hat, kann es durchaus kritisch werden.
Diese Tabelle finden Sie auf der Seite von Vet-dogs, wie auch folgenden Schokoladenrechner
Nach aktuellem Wissensstand geht man bei einer akuten Vergiftung mit einer einmaligen Dosis von 100mg bis 500mg Theobromin pro kg Körpergewicht von einem potenziell tödlichen Verlauf aus. Vergiftungserscheinungen können bereits bei 20mg/kg Körpergewicht auftreten. Individuelle Faktoren scheinen hier eine große Rolle zu spielen.
Wie man sieht sind, die Variablen in der Theobromin Rechnung und somit die Abschätzung des Risikos sehr unterschiedlich.
Toxizitätsangaben: Range: 20 — 100–500 mg /kg KGW
Theobromingehalt in der Schokolade Range: 1–20 mg Theobromin/ g Schokolade.
Meiner Meinung nach ist es fast nicht möglich, trotz Rechner, in einer akuten Stresssituation die Situation richtig einzuschätzen, gerade wenn sie durch Social Media oder Google gehypt wird.
Oft steht man auch vor dem Problem, dass die genaue Menge der aufgenommenen Schokolade unbekannt ist. Man hat vielleicht irgendwo Alufolie gefunden. Dann könnte eine Einleitung des Erbrechens durch eine Spritze mit Apomorphin schnelle Hilfe bringen und zu einer Entspannung der Situation führen.
Sollten Schon Symptome wie Zittern oder Herzrasen auftreten, ist die Situation sehr viel ernster. Dann muss das Tier sediert werden, z.B.mit Diazepam (Valium) um die Krämpfe zu beenden. Dabei kann auch gleichzeitig eine Magenspülung durchgeführt werden.
Die oft empfohlene Aktivkohle sollte nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden, und nur dann, wenn der Hund eine tödliche Dosis gegessen hat, weil Aktivkohle eine Hypernatriämie (Ihr Tierarzt weiss, was da zu beachten ist) hervorrufen kann, die Ihrerseits wieder zu weiteren Krämpfen führt. Daher müssen bei Krämpfen unbedingt die Blutelektrolyte (Na, K, Cl) kontrolliert werden.
Es empfiehlt sich, ein EKG anzufertigen.
Hier ein EKG bei einem Hund mit Herzrasen (VES)
Hier muss unbedingt mit Lidocain Dauertropf oder bei supraventikulären Arrhythmien einem sogenannten Betablocker, wie z.B. Esmolol oder Propanolol behandelt werden. Diese Arrhythmien können jederzeit in ein Kammerflimmern führen, welches tödlich endet. Das Tier muss stationär aufgenommen und intensivmedizinisch überwacht werden.
Auch für den Tierarzt ist die Situation sehr schwierig einzuschätzen. Von der Tendenz her ist, aus meiner Sicht die Gefahr eher gering, kann aber bei kleinen Hunden und Schokolade mit hohem Kakaoanteil durchaus real werden, obwohl die meisten Hunde sehr dunkle, also bittere Schokolade nicht mögen.
Am besten verzichtet man auf die dunklen Sorten von Schokolade im Haushalt und lässt sie vor allem nicht in Reichweite der Tiere herumliegen.


